Ausbildungszentrum für FIA-Extrication-Teams in Oschersleben

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr wurden 2012 in der Motorsport Arena Oschersleben erneut die „International Extrication Days“ durchgeführt. Unter der Leitung von DMSB- Verbandsarzt Dr. Michael Scholz absolvierten Bergungsteams aller großen Rundstrecken Deutschlands den zweitägigen FIA-Lehrgang mit Prüfung erfolgreich und erhielten die für den Einsatz bei FIA-Veranstaltungen erforderliche Zulassung.

Unter der Federführung von DMSB- Verbandsarzt Dr. Michael Scholz konnte Oschersleben neben Le Mans (Frankreich) als weiteres Ausbildungszentrum für FIA- Extrication-Teams aus aller Welt etabliert werden. Damit ist Oschersleben eines von lediglich drei Extrication-Zentren weltweit. Beim Automobilweltverband ist derzeit ein zusätzliches Schulungszentrum im asiatischen Raum in Planung.

Spezielles FIA-Zertifkat für Extrication-Teams
Extrication-Teams beschäftigen sich mit der Rettung von verunfallten Verletzten aus Rennwagen. Aufgrund der baulichen Besonderheiten dieser Fahrzeuge bedarf es eines geschulten Fachwissens zur sicheren und schnellen Bergung der verletzten Fahrer. Die sechsköpfige Besatzung eines Extrication-Fahrzeugs be- steht aus fünf erfahrenen Rettungsassistenten sowie einem Arzt, die im Bereich der Stabilisierung von potenziellen Wirbelsäulenver- letzten geschult sind. Extrication-Teams, die zum Beispiel bei Formel-1-Rennen, in der Endurance- oder Tourenwagen-Weltmeisterschaft eingesetzt werden, benötigen ein spezielles FIA-Zertifikat, das gemäß den Lizenzbestimmungen der FIA zwei Jahre gültig ist. Besonderheit: Diese Zulassung für alle FIA-Veranstaltungen wird nicht an Einzelpersonen, sondern nur an Teams vergeben.

Training an Formel- und Tourenwagen
Bei dem Lehrgang in Oschersleben ging es am ersten Tag nach der Theorieeinheit sogleich an die Strecke. Dort wurden im Praxisteil verschiedene Situationen mit vier Formelfahrzeugen und diversen geschlossenen Fahrzeugen nachgestellt. Pro Team gab es einen Instruktor, der die Teilnehmer anleitete und Hilfestellung zur richtigen Vorgehensweise gab. Im Anschluss an diese Übungen legten die Teilnehmer bereits erste Prüfungen ab. Anhand der Kriterien des FIA-Bewertungsbogens kontrollierten die Prüfer Dr. Harjinder Chagger (Medical Director Formula 2), Dr. Jean-Jacques Issermann (Honorary Vice-President of the FIA Medical Commission) und Dr. Michel Scholz (DMSB-Verbandsarzt) die Vorgehensweise der Teams. Unter den Teilnehmern waren Extrication-Teams aller großen Rundstrecken in Deutschland: Hockenheimring, Nürburgring, Sachsenring, Lausitzring und Motorsport Arena Oschersleben. Sie alle absolvierten die Prüfungen mit Erfolg.

Unfallszenario mit realistischem Unfallzenario
Highlight des zweiten Seminartages war die Nachbildung eines Unfallszenarios im realen Rennbetrieb. Dazu wurde eine Unfallsituation auf der Strecke mit Mimen dargestellt. Im weiteren Verlauf der Übung war dann die komplette Rettungskette involviert: Race Control, Abschnittsleiter und Marshals, S-Wagen, Feuerwehr, Extrication-Team, Medical Car, Rettungs- wagen und Medical Center. „Normaler- weise trainiert jede Einheit den Notfall in- dividuell und separat für sich,“ sagt Dr. Scholz. „Eine Unfallübung, bei der alle Glieder der Rettungskette integriert sind, ist in diesem Umfang bisher in Deutschland und wohl auch weltweit einzigartig.“

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